Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

ANN COTTEN, LEE MÉIR, MARCUS STEINWEG
DIE LUST AM TEXT

287 Mal gesehen
Teilen

Datum der Aufzeichnung: 03.06.2016

Ort: TQW / Studios

Im Rahmen von: Redereihe mit Künstler_innen und Theoretiker_innen (Kuratiert von Krassimira Kruschkova)

Info

 

Drei diskursive Momente, die ineinander und in ein Publikumsgespräch übergehen.

 

Ann Cotten: Kann man beim Schauen Freiheit empfinden?

Die Langweile beim Zusehen anderer Leute in freier künstlerischer Bewegung ist vielleicht nicht nur ein Resultat des Sitzzwangs im Publikum. Wie wichtig ist Partizipation beim Prinzip der Freiheit? Kann das Auge zweckfrei sehen? Ist die Gewalt des voyeuristischen Blicks in der Lage, das Paradox zu brechen, dass die Zweckfreiheit der Kunst an ihren Rändern ganz besonders verzwackte Zwänge hervorbringt, oder ist das nebensächlich, wie man schaut, oder liegt sogar ein nilpferdhafter Friede im Betrachten?

 

Lee Méir: failure n#7 (the promise of words / put your body over there)

failure n#7 erprobt die Wechselbeziehung und Spannung zwischen einem sich bewegenden Körper im Jetzt und der Sprache, welche inhärent unabhängig vom Jetzt sein kann. Die Lücke zwischen dem Körper, verankert in der Unsicherheit jedes vorübergehenden Augenblicks, und dem Privileg der Verschiebung, welche Sprache ermöglicht, öffnet einen Raum, um die vergänglichen Sphären des Tanzes und der Sprache zu hinterfragen.

 

Marcus Steinweg: Nervöse Operationen

Der gesamte Diskurs Roland Barthes konstituiert sich als Abwendung von der Doxa. Barthes macht keinen Hehl daraus, wie sehr er den „kleinbürgerliche[n] Konsensus“ und die „Gewalt des Vorurteils“ verabscheut. Darin drückt sich die Gewalt seiner eigenen Praxis aus. Es ist die Gewalt maßloser Differenzierung, eine Art hyperbolischer Minutiosität. Noch wo er gewisse Binarismen aktiviert, entzieht Barthes ihnen das Vertrauen, indem er sie sensiblen Verfeinerungen zutreibt, die das Denken in eine nervöse Operation verwandeln, um das Cogito auf eine ebenso strenge wie exakte Weise gegen die Diktate der Doxa zu sensibilisieren.

 

 

 

Credits

 

Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, lebt in Wien und Berlin, einige meist literarisch eingestufte Bücher geschrieben, zuletzt Hauptwerk. Softsoftporn. Peter Engstler, Ostheim/Rhön 2013. Der schaudernde Fächer. Erzählungen. Suhrkamp 2013, "Verbannt!" Versepos. Suhrkamp 2016. Immer wieder räudige Vorträge zu Kunst und Philosophie, mit M. Rinck und S. Scho "Rotten Kinck Schow".

 

Lee Meir (1984, IS/DE) ist Choreographin und Performerin, lebt in Berlin. failure n#7 ist Teil ihrer Serie fourteen functional failure, die Fragen hinsichtlich Rhythmus und physischer Zeit innerhalb paradoxer Beziehungen zwischen Sprache, Körper, Stimme und Sound behandelt.

 

Marcus Steinweg (1971, D) ist Philosoph, lebt in Berlin. Letzte Publikationen: Aporien der Liebe. Merve, Berlin 2010, MAPS. (gemeinsam mit Thomas Hirschhorn) Merve, Berlin 2011, Kunst und Philosophie / Art and Philosophy. Walther König, Köln 2012, Evidenzterror. Matthes & Seitz, Berlin 2015, Inkosistenzen. Matthes & Seitz, Berlin 2015.

 

 

Gefördert durch


Logo Wien Kultur