Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

LAURA UNGER
einmal hin, einmal her

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Uraufführung

Datum der Aufzeichnung: 09.06.2016

Ort: TQW / Studios

Im Rahmen von: Werkstück

Info

 

Werkstück ermöglicht jede Saison einen Rahmen für junge Choreograf_innen, indem diese über einen Zeitraum von sechs Monaten mit Zeit, Raum und Expertise in der Erarbeitung ihrer Choreografien unterstützt werden. Dieses Jahr wird das Nachwuchsformat von dem Choreografen, Tänzer und bildenden Künstler Philipp Gehmacher mit der Frage What moves me? begleitet. Laura Unger, Evandro Pedroni und Jasmin Hoffer arbeiteten an ihren „Beweggründen“:

 

„Da haben wir einen Hausball gehabt. Die wenigsten haben ein schönes Gewand mitgehabt. Die Buben haben gesagt: ,Bügelt uns unsere Hemden, damit wir ein bisschen was gleichschauen!? Weil wir haben Volkstanzen müssen. Da war einer von der Volksoper, der hat uns das Tanzen gelernt. Der hat sich die Leute aber ausgesucht. Da haben wir uns aufstellen müssen auf der Seite und er hat gesagt du, du, du, du. Und da war ich auch dabei.“ (Josefa Unger)

 

einmal hin, einmal her ist eine Lecture-Performance in der Laura Unger die unterschiedlichen Narrative des österreichischen Volkstanzes beleuchtet. Am Anfang stehen die Erzählungen ihrer Großmutter, Josefa Unger, über Volkstanzauftritte in den 1950ern, die ihr die Möglichkeit boten der dörflichen Enge des Waldviertels zu entfliehen. In aufgezeichneten Interviews erzählt sie über die vorgeführten Gruppentänze, wie den Siebenschritt und die Sternpolka. 60 Jahre später trägt Laura Unger dieselben Tänze als lebendige Artefakte ins Tanzstudio, wo sie sich mit ihrer befremdlichen, ja fast exotischen Wirkung konfrontiert. Gleichzeitig stellen die einfachen, repetitiven Choreografien in Kombination mit beschwingter Musik eine willkommene Abwechslung zur zeitgenössischen Dekonstruktion/Hinterfragung von Tanz und Bewegung dar.

 

Über die Publikumswirksamkeit dieser Tänze wussten auch die NationalsozialistInnen Bescheid, die den Volkstanz zu Propagandazwecken instrumentalisierten. Auch im Österreich der Nachkriegszeit wurden Volkstänze zur gezielten Stärkung des nationalistischen Bewusstseins eingesetzt und damit die Opferthese Österreichs reproduziert. Zur selben Zeit waren die Volkstanzaktivitäten für Josefa Unger aber eine der einzigen Möglichkeiten sich von zu Hause zu emanzipieren...

 

Laura Unger nutzt das Format der Lecture-Performance als künstlerische Strategie, um sich im komplexen und ambivalenten Geflecht aus physischen, familiären und kollektiven Erinnerungen einen Weg ins heute zu bahnen.

 

 

Credits

 

KONZEPT / CHOREOGRAFIE / PERFORMANCE: Laura Unger

DANK AN: Josefa Unger

 

Laura Unger ist in Wien geboren. Im Alter von fünf Jahren lernte sie Geige spielen, später experimentierte sie autodidaktisch mit Gitarre und Akkordeon. Nach längeren Auslandsaufenthalten in Chile und Italien studierte sie Tanz, Kontext und Choreographie am HZT (UdK) in Berlin, Performing Arts an der Bilgi University in Istanbul und Tanzwissenschaft an der Universität Salzburg. Nach ihrem Hochschulabschluss in Berlin kehrte sie nach Wien zurück und erhielt 2015 das START-Stipendium des BKA. Derzeit untersucht sie das Potenzial von traditionellem Tanz als Form des Widerstands und plant die Gründung einer Plattform für Volkstanz und Politik.

 

 

 

 

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