Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

KAI VAN EIKELS / BARBARA KRAUS
Selbstdisziplinlosigkeit oder: Von der Kunst, das Nächstbeste vorzuziehen & would you lay with me (in a field of stone)

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Datum der Aufzeichnung: 11.04.2014

Ort: TQW / Studios

Im Rahmen von: NICHT(S)TUN. Ein faules Konzept einer Redereihe (Kuratiert von Krassimira Kruschkova)

Info

 

Selbstdisziplinlosigkeit oder: Von der Kunst, das Nächstbeste vorzuziehen

Das Nichtstun fällt schwer. Vielleicht harrt Freiheit meiner aber weniger in der Verweigerung von Arbeit als im Lockern jener Selbstdisziplin, die der postfordistische Arbeitsalltag verlangt. Unser luxuriöses Leiden an der »Überarbeitung«, das im Vergleich zur Situation in Billiglohnländern fast zynisch anmutet, entspringt ja nicht den Tätigkeiten selbst, sondern der Notwendigkeit, Arbeitsdisziplin zu internalisieren: Niemand außer mir selbst kann mich zwingen, das zu tun, was man tun muss, um erfolgreich zu sein. Und bis in meinen Schlaf hinein begleitet mich die Angst, das nicht hinreichend zu schaffen. Wie werde ich also Selbstdisziplin los? Und kann die zeitgenössische Kunst mir dabei helfen, wenn Künstler zum unfreiwilligen Vorbild für den postfordistischen »work performer« geworden sind?

would you lay with me (in a field of stone)*

In einer Gesellschaft, die sich hauptsächlich über Gewinn, Leistung, Erfolg definiert, kann es leicht passieren, dass man sich selbst abhandenkommt und überflüssig wird. Deshalb braucht es Gleichgesinnte, jemanden wie Gertrude Stein, die einmal meinte: Es braucht viel Zeit, ein Genie zu sein, man muss so viel herumsitzen und nichts tun, wirklich nichts tun. Auf ihrer Suche nach Verbündeten begegnet Barbara Kraus auch John Cage und Ilija Trojanow, die sich als streitbare Weggefährten erweisen, wenn es darum geht, Momente des Stillstandes und der Verweigerung als subversiven Akt gegen einen entmenschlichten, maßlos gefräßigen Turbokapitalismus zu begreifen. Was tun, wenn ohnehin bereits alles gesagt wurde und die Wörter kein Gewicht und keine Notwendigkeit mehr haben?

*Songtitel American III:

Solitary Man, Johnny Cash

 

Credits

 

Kai van Eikels ist derzeit Gastprofessor für Tanz- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind dynamische Kollektivformen, Kunst und Arbeit, Politiken

der Partizipation. Theorie-Blog: kunstdeskollektiven.wordpress.com

Barbara Kraus kreiert Performances und Texte, die sich mit der Frage nach künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten für eine zukunftsfähige, lebenserhaltende Welt beschäftigen. In ihrer Life-Art-

Performance dream and walk about überquerte sie 2012 in fünf Monaten zu Fuß den gesamten Alpenbogen von Wien bis an die Cote d´Azur.

www.barbarakraus.at

 

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