Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

RABIH MROUÉ
Trilogy - Künstler_innengespräch

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Datum der Aufzeichnung: 03.11.2016

Ort: TQW / Halle G

Info

 

Aufgrund eines Krankheitsfalles zeigen wir anstelle von Ode to joy eine Trilogie von Rabih Mroué.

 

 

Rabih Mroué, eine Schlüsselfigur der neuen Künstlergeneration im Libanon, schuf ein komplexes Werk, das unterschiedliche Disziplinen und Formate an der Schnittstelle von Theater, Performance und bildender Kunst umfasst. Er behandelt die unmittelbare Realität von Themen, die im derzeitigen politischen Klima Libanons nicht beleuchtet werden, welche sich vor allem auf die anhaltenden Folgen des libanesischen Bürgerkriegs und rezente politische Ereignisse beziehen. Bei seiner Erforschung der Verantwortung, die Künstler_innen in der Kommunikation mit dem Publikum in spezifischen politischen und kulturellen Zusammenhängen haben, bedient sich Mroué sowohl des Mittels der Fiktion als auch einer vertiefenden Analyse.

 

 

Rabih Mroué wird drei seiner viel gelobten „nicht akademischen Lectures“ geben: On Three Posters, Inhabitants of Images (Kurzversionen) und Pixelated Revolution (originale Version). Trilogy veranschaulicht die außerordentliche Intensität, mit der Mroué die Prozesse der Erstellung und Distribution visueller Dokumente im heutigen Libanon und im Nahen Osten untersucht. Sein semi-dokumentarisches Theater erforscht die Politiken der Repräsentation, indem gefundene Materialien – Fotografien und Videos – auf die Kinoleinwand projiziert und mögliche Gegennarrative entworfen werden. Mroués Lectures, die live als Untersuchungen nicht nur der offiziellen, sondern auch der eigenen Darstellung fungieren, hinterfragen das Potenzial von Objekten, Bildern, Worten und Sounds, Zeugnis von der vielschichtigen Realität der libanesischen Gesellschaft und darüber hinaus der globalen Politik und des Krieges abzulegen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass unsere Handlungen davon beeinflusst und bestimmt sind, wie wir Wissen interpretieren, ordnen und darstellen, zeigt er Instrumente der Kritik für die Auseinandersetzung mit Bildern und Geschichten auf: Was geschieht, wenn wir in den Prozess involviert und verwickelt werden, wenn wir uns Bilder und Narrative aneignen, Teil der Situation werden, diese gleichzeitig lesen und beschreiben?

 

 

 

On Three Posters (2004)

 

 

 

On Three Posters basiert auf gefundenen Videoaufnahmen, die von Mitgliedern der Libanesischen Kommunistischen Partei vor ihren Selbstmordkommandos gemacht wurden. Kurz vor seinem Tod 1985 probte Jamal Salti, ein Selbstmordattentäter, der gegen die israelische Besetzung des Südlibanon (1982–2000) kämpfte, sein Video-Vermächtnis in drei Aufnahmen, die nur kleine Unterschiede aufweisen. Dies ist der Ausgangspunkt für Gedanken über die Spannungen zwischen fundamentalistischen Positionen und der heroischen Darstellung des Märtyrertums. Im Zentrum von Mroués Analyse steht ein Moment des Zögerns in einer der nicht verwendeten Aufnahmen, darüber hinaus wird aufgezeigt, wie sich die Rezeption dieses Werkes in der geopolitischen Landschaft nach 9/11 seit der Uraufführung von Three Posters mit Elias Khoury im Jahr 2000 verändert hat.

 

 

 

PRODUKTION: Ashkal Alwan / Beirut.

 

ÜBERSETZUNG: Mona Abuo Rayyan.

 

 

 

Inhabitants of Images (2008)

 

 

 

Inhabitants of Images analysiert anhand unterschiedlicher Beispiele die Manipulation von Bildern für politische Zwecke im Libanon. Unter den analysierten Bildern befinden sich Straßenplakate von Märtyrern der Hisbollah, wie sie überall in der Stadt Beirut zu sehen sind. Mroué dekonstruiert die visuellen Motive, Symbole, die Komposition und das Design der Plakate, um ihre symbolische Bedeutung zu dechiffrieren und den Versuch zu reflektieren, die politische, militärische und religiöse Einstellung der örtlichen Gemeinschaft zu beeinflussen.

 

 

 

KOPRODUKTION:Tanzquartier-Wien, Bidoun magazine, and Ashkal Alwan / Beirut.

 

ÜBERSETZUNG: Ziad Nawfal.

 

 

 

Pixelated Revolution (2012)

 

 

 

Pixelated Revolution thematisiert die viralen Effekte von Mobiltelefonen und sozialen Medien auf die Verbreitung von Informationen und die Mobilisierung der Menschen bei den verheerenden Aufständen, die vor kurzem in Syrien stattgefunden haben. Mroué hat eine Auswahl gefundener Videoaufnahmen von Konflikten und Konfrontationen, die von Aufständischen aufgenommen und im Internet gepostet wurden, neu bearbeitet, interpretiert und kontextualisiert, um nicht nur auf die Zuspitzung der Situation in der Region hinzuweisen, sondern auch die beunruhigende, noch nie da gewesene Verschränkung von politischem Aktivismus, filmischen Strategien, der Fragilität des menschlichen Körpers und populärer Technologie inmitten der Realität des Krieges aufzuzeigen.

 

 

 

KOPRODUKTION: Berlin Documentary Forum – HKW/ Berlin, dOCUMENTA 13, Kassel and The 2010 Spalding gray Award (Performing Space 122 in New York, The Andy Warhol museum in Pittsburg, On the Boards in Seattle and the Walker art Center in Minneapolis).

 

ÜBERSETZUNG: Ziad Nawfal

 

 

 

 

 

 

KÜNSTLER_INNENGESPRÄCH

 

 

im Anschluss an die Vorstellung

moderiert von SANDRA NOETH

 

 

 

 

 

 

 

 

Credits

 

Rabih Mroué dankt: Lina Saneh, Elias Khoury, Tony Chakar, Jalal Toufic, Sarmad Louis, Hito Steyerl, Elia Suleiman, Khalil Joreige and Joana Hadjithomas, Walid Raad, Bilal Khbeiz, Yousef Tohme, Paul Khodr, Christine Tohme, Manal Khader, Ziad Nawfal, Bernard Khoury, Stefan Tarnowski, Feyrouz Serhal, Raseel Hadjian and Jowe Harfouche.

Weiteren Dank an Berlin Documentary Forum (BDF) – HKW, Berlin, Ashkal Alwan, Beirut Art Center.

 

 

 

Rabih Mroué, geboren 1967 in Beirut, ist Schauspieler, Regisseur, Autor und libanesischen Gegenwartskünstler. Er ist außerdem Herausgeber der libanesischen Zeitschriften Kalamon und The Drama Review, sowie Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Beirut Art Center Association (BAC). Rabih Mroué arbeitet an der Schnittstelle von Performance und Bildender Kunst. In seinen Performances beschäftigt er sich mit der politischen Situation im Libanon, verbindet oft alltägliche, reale Materialien mit fiktiver Erzählung, die er als Autor selbst erarbeitet und für seine Performances schreibt. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Lina Majdalanie. Seine Perfomances, u.a. The Inhabitants of Images (2008), Photo-Romance (2009), 33 Rounds and a few seconds (2012) sowie zuletzt Riding on a cloud (2014) sind an Theatern und Festivals vertreten. Seine Arbeit The Pixelated Revolution (2012) war bei der Documenta 13 zu sehen. 2016 eröffnete er die Wiesbaden Biennale mit seinem Stück So little time.

 

 

 

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