Performances

Editta Braun
derzeit wohnhaft in

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Uraufführung

Datum der Aufzeichnung: 13.12.2013

Ort: Salzburg

Im Rahmen von: ARGEkultur

Info

Dieses Stück, das 2013 entstand – die ersten Ideen gehen noch weiter zurück – hat seit dem Jahr 2015, vor dem Hintergrund der immensen Flüchtlingsströme, die jetzt nach Europa kommen, eine ganz neue Aktualität erfahren und eine andere Akzentuierung. Unser Thema war damals die Migration, unser Interesse galt der Erfahrung einer Entwurzelung ganz allgemein.

 

Der aus Kolumbien stammende Tänzer Juan Dante Murillo schöpft aus seinen eigenen Erfahrungen. Er ist kein Flüchtling, er hat in Europa nicht Schutz gesucht vor Krieg und Terror, sein Leben war nicht bedroht. Sein Weg nach Europa war keine lebensgefährliche, illegale Odyssee und er kommt auch nicht aus einem muslimischen Land. Er hat nur auf der Suche

 

nach dem besten Weg für sein Leben das Wagnis auf sich genommen, Vaterland und Muttersprache hinter sich zu lassen. Dass schon diese Entscheidung schwerwiegende Folgen hat, zeigt das Ergebnis unserer Arbeit.

 

„derzeit wohnhaft in“ verhandelt mit Sprachproblemen, Vorschriftendschungel, Heimweh, Fremdheit, Einsamkeit, Selbstentfremdung und Aggression sicherlich Themen, mit denen auch viele der Flüchtlinge und Asylwerber konfrontiert sind, die jetzt in großer Zahl zu uns kommen. Es ist kein Stück über die „Flüchtlingsproblematik“ in ihrer aktuellen Wucht, aber es beleuchtet aus ungewohntem Blickwinkel mit künstlerischen Mitteln die seelische Verfassung entwurzelter Menschen und ist damit sicherlich ein wertvoller Beitrag zur Debatte.

 

 

 

Indische IT-Spezialisten in Großbritannien, die Altenpflegerin aus der Ukraine nebenan, afrikanische Straßenreinigungskräfte in Paris oder der Dönerverkäufer am Bahnhof: Immer mehr Menschen verlassen ihr Land auf der Suche nach dem Glück, nach neuen Perspektiven oder schlicht um zu überleben. Abflug, Ankunft, neues Leben: Die Entwurzelung ist ein tiefer Einschnitt, der Spuren hinterlässt. Auf große Träume folgt oft die Ernüchterung, eine mühsame Zeit beginnt, und manch einer verliert sich dabei selbst.

 

Der sich daheim wie ein Fisch im Wasser bewegte, zögert jetzt bei jedem Schritt. Ständiger Beobachtung ausgesetzt, oft verdächtig, immer unter Rechtfertigungsdruck, bemüht, nur nicht anzuecken, verliert er jede Spontaneität. Und auch wenn er eine Wohnung findet: Was ist mit der Sprache, dem „Haus des Seins“?

 

Dantes Solo erkundet die Auswirkungen der globalen Mobilität auf den einzelnen Menschen. Mit seinem ganzen Sein, mit Haut und Haar, Körper und Sprache, spürt der gebürtige Kolumbianer, der seit 2006 in Europa lebt und arbeitet, Erfahrungen nach, die er selbst gemacht hat und die exemplarisch sind. 70 Minuten lang stehen Komik und Katastrophe dicht beieinander, und auch das Wunderbare kommt nicht zu kurz.

 

Die Produktion widmet sich dem Thema des individuellen Wandels und der durchaus revolutionären Erfahrung von einer Kultur in eine komplett andere und neue zu gehen. "Derzeit wohnhaft in" folgt den Spuren eines Migranten auf seinem Weg in ein neues Leben, der Suche nach Wohnung, Arbeit, Freunden - einem neuen Leben. Wie mischen sich in einem zwei Kulturen, Sprachen, Welten? Unsere bereits 2013 entstandene Produktion steht in der aktuellen politischen Situation in einer neuen Perspketive, rückt näher heran an das Publikum.

Credits

editta braun company & Dante Murillo: «derzeit wohnhaft in» Solo, 70 Minuten. Entsteht 2013 in Salzburg Performance, Kreation: Dante Murillo Regie, Konzeption, Ausstattung, Kreation: Editta Braun Komposition: Thierry Zaboitzeff Ko-Regie: Arturas Valudskis Dramaturgie: Gerda Poschmann-Reichenau Gemälde (Visuals): Sigrid Linher, Evelyn Braun Texte: Dante Murillo und "Deutsch in 30 Tagen" (Langenscheidt) Photos: Bettina Frenzel, Leo Fellinger, R&M Kirchner Ko-Produktion: ARGEkultur Salzburg Produktion: Österreichisches Bundeskanzleramt-Kunstsektion, Stadt Salzburg-Kultur, Land Salzburg-Kultur

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