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Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

Felicia McCarren
Planting Dance

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Datum der Aufzeichnung: 25.11.2022

Ort: TQW Studios

Info

Mit dem Blumenwalzer aus dem Nussknacker, Loïe Fullers bewegtem Stoff, der sich zu Blütenkelchen formt, oder Fokines gespenstischer Rose, die von Nijinsky getanzt wird, hat die Choreografie Pflanzenrollen geschaffen, die – wie die romantische Botanik – Menschen auf Pflanzen projizieren, aber auch soziale oder biologische Normen nuancieren. Kulturell zentral, wortlos und oft mit Frauen besetzt, hat die von der grünen Welt inspirierte Choreografie historisch gesehen Rollen für Tänzer*innen geschaffen, die der Flora nahestehen. Doch über ihre choreografische Animation oder codierte Bedeutung hinaus bieten Pflanzen der Choreografie auch Möglichkeiten, über Evolution und Ökologie nachzudenken. Die Erzählungen über Pflanzen im Ballett La Source von 1866, 2011 an der Pariser Oper in einer neuen Fassung präsentiert, untersuchen Fragen der Vielfalt, Hybridität und Adaption. Die Originalversion des Balletts wurde damals von Menschen besucht, die zur gleichen Zeit – und auf die gleiche Weise – über ethnische und exotische Andere nachdachten wie über Pflanzen. Dieser historische Kommentar zu Natur und Körpern auf der Bühne war zu seiner Zeit auch eine theoretische Untersuchung über Natur und Körper in kulturellen Institutionen und Wissensdisziplinen.

Der jüngste „plant turn“ in den Geisteswissenschaften hat sich auf die Politik und die Theorien des pflanzenbasierten menschlichen Lebens konzentriert, aber er ist auch ein „re-turn“ zum historischen Pflanzendenken. Welche Lehren können wir noch aus den Pflanzen oder, weiter gefasst, aus den aktuellen Ökologien ziehen? Welche Bedeutung haben die „ecology of practices“ (Isabelle Stengers) oder das „landscaping of time“ (Bernadette Bensaude-Vincent) für Tänzer*innen und für die Choreografie?

Felicia McCarren, Professorin für Französisch an der Tulane University in New Orleans, ist derzeit Leverhulme-Gastprofessorin an der University of Oxford. Sie hat vier Bücher verfasst, zuletzt One Dead at the Paris Opera Ballet: La Source 1866–2014 (Oxford University Press, 2020). McCarren war Stipendiatin des Institute for Advanced Study, Paris, und der Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris. Sie wurde für ihr Projekt Natural History and Cultural History Onstage: Race, Gender and Knowledge in French Choreography mit dem Fulbright-Tocqueville Distinguished Chair ausgezeichnet und wird im Frühjahr 2023 an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris unterrichten.

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