Performances


Diese Videoaufzeichnung stellt nur eine Möglichkeit der Inszenierung dar, da sie während nur einer Aufführung aufgenommen wurde und könnte an einem anderen Tag möglicherweise unterschiedlich wirken.

LES BALLETS C DE LA B, A.M. QATTAN FOUNDATION, KVS
Badke - Künstler_innengespräch

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Datum der Aufzeichnung: 07.11.2014

Ort: TQW / Halle G

Info

 

"Was bedeutet Euch Dabke?", war eine der zentralen Ausgangsfragen rund um den palästinensischen Folkloretanz, der im Zentrum der Kollaboration des Stücks der ChoreografInnen Koen Augustijnen, Rosalba Torres Guerrero (Les Ballets C de la B) und der Dramaturgin Hildegard De Vuyst (KVS) steht. Diese Frage richtete sich an zehn palästinensische Kunstschaffende und TänzerInnen mit diversem Bewegungshintergrund. Gemeinsam untersuchten sie jenen Reihentanz, der im Nahen Osten zu Hochzeiten und Festen getanzt wird, auf seine integrative Kraft und erforschten die Möglichkeit, diesen kanonisierten Tanz mit neuen Inhalten aufzuladen.

Dabke wurde im Zuge des Arbeitsprozesses zum titelgebenden Badke. Die Neuzusammensetzung der Buchstaben verrät bereits etwas über den Wandel, den Dabke dabei vollzog – der Erschaffung von etwas Eigenständigem, das doch auf eine gemeinsame Tradition rekurriert – das dem kollektiven Moment, der dem Traditionstanz inne wohnt, nahe steht und das ihn dennoch verfremdet.

Dabke bedeutet so viel wie mit den Füßen auf den Boden Stampfen. Und so beginnt auch Badke mit dem vertrauten Bild des Line-Dances: die zehn palästinensischen TänzerInnen umfassen einander an den Schultern, sie vollziehen die gewohnte Schrittabfolge – Fuß hoch, aufstampfen, übertreten – und wie bei Dabke werden sie immer schneller und steigern ihren Tanz zu schwindelerregendem Tempo. Doch nach und nach sind Brüche wahrnehmbar. Einzelne TänzerInnen lösen sich aus der Gruppe. Es wird aus der Reihe getanzt und die Dekonstruktion die Dabke, im Namen erfahren hat, wird nun über das Choreografische erlebbar. Es ist ein Tanz der kollektiven Physikalität, doch auch der Selbstbestimmtheit; ein Tanz der Solidarität und Zugehörigkeit, in dem dennoch jeder und jede für sich steht und zählt. Der Tanz wird zunehmend von seiner Traditionsform befreit und durch andere Elemente – von Modern Dance, über Hip-Hop bis hin zu Capoeira und Artistik – ergänzt.

Die Varianten, die sich dabei ergeben, lassen die Grenzen zwischen den einzelnen Elementen verschwimmen. Das Hinzufügen choreografischer Bausteine aus weiteren Bewegungsbereichen und kulturellen Kontexten erzählt dabei unter anderem von dem Wunsch, Teil einer globalen Kultur zu sein. Durch Dekonstruktion des traditionellen Tanzes bei gleichzeitiger Übernahme seiner gesellschaftlichen Urfunktion – dem Kollektiven –  und Beifügen globaler Komponenten, lädt sich der Tanz mit neuem Inhalt auf und erhält dadurch gesellschaftspolitische Relevanz und Brisanz. Und so erzählt Badke uns auch von den Anliegen seiner ProtagonistInnen, unter anderem aus Galiläa, Ramallah und Jerusalem stammend, die sich in einer Choreografie unbeugsamen Lebenswillen vermitteln: „Wir werden uns von niemandem in die Knie zwingen lassen. Wir werden tanzen bis zum Umfallen.“

Badke ist dabei jedoch mehr als getanzter Widerstand. Der Tanz ist Postulat der Lebensfreude, in dem Kraft, Mut und ein unbändiger Wille zu Veränderung zum Ausdruck kommen.

#TanzAkrobatik #kollektivePhysikalität #Traditionsdekonstruktion #Palästina #Galiläa #Ramallah #Jerusalem

 

Credits

 

Badke entstand in Kollaboration des von Alain Platel gegründeten Künstlerkollektivs Les Ballets C de la B, der Koninklijke Vlaamse Schouwburg (KVS)  und der Stiftung A. M. Qattan Foundation, die sich für die Förderung künstlerischer Entwicklung und Bildung in Palästina und der arabischen Welt einsetzt.


Seit 2006 verfolgen die Koninklijke Vlaamse Schouwburg und Les ballets C de la B, zwei der renommiertesten belgischen Kulturinstitutionen, ein Austausch- und Ausbildungsprojekt mit einer jungen Generation von palästinensischen KünstlerInnen. Ein zentrales Projekt dieses langjährigen Engagements ist die Arbeit Badke.


Die von Alain Platel 1984 gegründete Tanzkompanie Les Ballets C de la B (Les Ballets Contemporains de la Belgique), widmet sich dem zeitgenössischen Tanz und gastierte bereits oft mit Produktionen und Koproduktionen am Tanzquartier Wien. So waren Les Ballets C de la B 2013 mit einer Arbeit der dem Tanzkollektiv angehörenden Choreografin Christine De Smedt  mit der vierteiligen Künstlerporträtreihe Untitled 4  im Tanzquartier Wien zu sehen und im Juni dieses Jahres mit dem Stück Coup Fatal – einer Kooperation von Tanzquartier Wien, Wiener Festwochen und Burgtheater Wien – zu erleben.

 

KONZEPT, PERFORMANCE:

Fadi Zmorrod, Ashtar Muallem, Farah Saleh, Yazan Eweidat, Salma Ataya, Ayman Safiah, Samaa Wakeem, Mohammed Samahnah,

Samer Samahnah, Maali Maali (und Ata Khatab)

KONZEPT: Koen Augustijnen, Rosalba Torres Guerrero & Hildegard De Vuyst

REGIEASSISTENZ: Zeina Zarour

SOUNDTRACK: Naser Al-Fares edited by Sam Serruys

KOSTÜME: Britt Ange?

LICHTDESIGN: Ralf Nonn

SOUND TECHNIK: Steven Lorie

TOURMANAGEMENT, KOORDINATION: Nicole Petit

PRODUKTION: KVS, les ballets C de la B & A.M. Qattan Foundation

KOPRODUKTION: Zu?rcher Theater Spektakel, Les The?a?tres de la Ville de Luxembourg

 

VIDEODOKUMENTATION: Reinhard Sockel / Anselm Tröster

 

Gefördert durch


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